===== Vorbemerkung =====
Der beim Evangelischen Dekanat Leonberg vorhandene gute Bestand an archivreifen Akten, die zum großen Teil schon in einer reponierten Registratur abgelegt wurden, ließ eine genaue Verzeichnung und die Einrichtung eines Archivs schon lange als sehr wünschenswert erscheinen. Der derzeitige Stelleninhaber, Dekan Lachenmann, ordnete die Akten im Groben; das Landeskirchliche Archiv Stuttgart übernahm die Herstellung eines Inventars in drei großen Etappen, im Herbst 1954, im Frühjahr 1955 und im Sommer und Spätherbst 1958. Der Hauptteil der Arbeit wurde von Studenten geleistet, die vorher an Archivpflegerkursen des Württembergischen Hauptstaatsarchivs Stuttgart und des Landeskirchlichen Archivs Stuttgart teilgenommen hatten. So konnte eines der wichtigsten Archive im Bereich der Württembergischen Landeskirche vollständig geordnet werden. Über die Bedeutung der Ersten ältesten Abteilung ist im Vorwort zu dieser Abteilung von Martin Brecht das Wichtigste gesagt. Gerade die hier erhaltenen Akten ergänzen in vielen Einzelheiten die im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart nur lückenhaft vorhandenen Konsistorialakten, so daß das Archiv des Evangelischen Dekanatamts Leonberg immer wieder zu Forschungen über die Württ. Kirchengemeinde wird herangezogen werden müssen. In der ersten Archiv-Abteilung mussten bei den Ortsakten Bestände des 19. Jahrhunderts mit aufgenommen werden, die zeitlich schon nach dem eigentlichen Grenzjahr dieser Abteilung liegen. In der 2. Abteilung wurden nur Allgemeine Akten aufgenommen, da die Ortsakten des 19. Jahrhunderts alle in den im Jahr 1893 eingeführten Registraturplan nachträglich eingereiht wurden, so dass sie in die 3. Abteilung aufzunehmen waren. Diese Verschiebungen über das eigentliche Grenzjahr der verschiedenen Abteilungen hinaus müssen bei der Suche nach Akten über einen bestimmten Vorgang stets berücksichtigt werden.
===== Erste Abteilung =====
Anfang Oktober 1954 wurden von Archivdirektor Dr. Gürsching und Martin Brecht die Aktenbestände der herzoglich- dekanatamtlichen Registratur (bis 1806) von Leonberg durchgesehen und, soweit nötig, geordnet. Schon vorher hatte Dekan Lachenmann in vorbildlicher und dankenswerter Weise die einzelnen Faszikel vorgeordnet. Diese Bestände wurden von denen des 19. Jahrhunder getrennt, soweit dies bei den einzelnen Betreffen anging. Die dekanatamtliche Registratur Leonbergs ist in einzigartiger Weise erhalten. Es dürfte sich in Altwürttemberg kaum eine Registratur mit ähnlichen wertvollen Beständen bis zurück ins 16. Jahrhundert finden. Man hat hier den Typ einer württembergischen Dekanatsregistratur vor sich. Der Ablauf der einstigen Verwaltung ist sehr klar erkennbar. So ist das Leonberger Dekanatsarchiv heute eines der wichtigsten Archive im Raum der Württembergischen Landeskirche. Allerdings läßt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob nicht irgendwann auch hier eine Ausscheidung stattgefunden hat. Gerade das Aktenmaterial des 16. Jahrhunderts ist doch etwas spärlich. Jedenfalls wurde die Registratur in der Mitte des vorigen Jahrhunderts neu geordnet. Eine alte Registraturordnung ließ sich nicht finden. Vorhanden war lediglich die Trennung von allgemeinen Dekanatsakten und Ortsakten. Die allgemeinen Akten zeigen das Nebeneinander von Synodus und Konsistorium; bei den Ortsakten tauchen naturgemäß immer wieder die gleichen Betreffe auf, bei zunehmender Quantität differenzieren sich die Betreffe.
===== Zweite Abteilung =====
Im zweiten Arbeitsgang der Verzeichnung des Leonberger Dekanatsarchivs am 28. und 31. März 1955 wurden die Akten des kgl. württembergischen Dekanatsamts geordnet, die vor der Einführung des Registraturplans für Dekanatämter im Jahre 1893 erwachsen waren und nicht in die Rubriken dieses Registraturplans aufgenommen wurden. Obwohl diese Bestände ohne Registraturordnung erwachsen waren, ergaben sich größere Schwierigkeiten nur bei den Epochen einzelner Dekane, die in ihrem System der Aktenablage vom allgemeinen Brauch und von dem ihrer Vorgänger beträchtlich abwichen. Die für diese Zeit bezeichnende Einordnung der Akten in Serien, die Einteilung nach Korrespondenzen mit den verschiedenen Empfängern ohne Trennung nach Sachgebieten konnte nicht überall durchgeführt werden, das Material wurde, dem 19. Jahrhundert entsprechend, deshalb nach abstrakten Ordnungsbegriffen aneinandergereiht. Wiederum erwies sich die Verordnung von Dekan Lachenmann als sehr hilfreich. Unter den Nummern 159-170 sind als Fremdarchivalien Akten des Kameralamts Leonberg aufgenommen.
===== Dritte Abteilung =====
Vom 31. Juli bis 6. August 1958 wurde unter der Aufsicht des Landeskirchlichen Archivs Stuttgart, die letzte große Abteilung der Akten des Archivs des Evangelischen Dekanats Leonberg von stud. theol. Rainer Jooß aus Metzingen, verzeichnet. Die archivreifen Bestände der Ortsakten und der Allgemeinen Akten, die nach der Einführung der Registraturordnung für Dekanatämter im Jahr 1895 (Abl. 10, S. 4615 ff.) erwachsen und deshalb in den meisten Fällen schon von Anfang an nach den Rubriken dieses Registraturplanes abgelegt wurden. Es kommen besonders bei Ortsakten noch einige Akten dazu, die zwar vor dem Jahr 1895 erwachsen sind, aber später in die Rubriken des Registraturplanes eingeordnet worden waren. Dem Registraturplan von 1893 entsprechend, stehen am Anfang die Ortsakten, die Allgemeinen Akten folgen. Bei diesen sind die Ziffern des Registraturplanes hinter dem Sachbetreff angegeben, sodaß leicht die Vorakten zu den noch heute nach einem nur leicht geänderten Registraturplan erwachsenden Akten im Archiv gefunden werden können. In einer weiteren kleinen Gruppe sind die archivreifen gebundenen Akten des Evangelischen Dekanatamts verzeichnet; einige Stücke würden zeitlich zwar zur Ersten oder Zweiten Archiv-Abteilung gehören, der Einheitlichkeit halber sind jedoch hier sämtliche Bände ohne Rücksicht auf die sonst in diesem Archiv gültigen Grenzjahre zusammengefasst. Herr stud. theol. R. Jooß hatte unmittelbar vor seiner Arbeit im Archiv des Evangelischen Dekanats Leonberg vom 29.-30. Juli 1958 an einem Einführungskurs in Archivkunde im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart teilgenommen.
===== Vierte Abteilung =====
Zum Abschluss der Arbeiten im Archiv des Evangelischen Dekanatamts Leonberg wurden im Dezember 1958 vom Landeskirchlichen Archiv Stuttgart die Akten der Pfarrstelle aufgenommen. Es waren hier nur gebundene Akten und Rechnungsakten zu verzeichnen; eine Ausscheidung von ungebundenen Akten in ein Archiv konnte noch nicht stattfinden.
===== Ergänzung =====
Das Findbuch wurde später in eine Datenbank übertragen. Es befinden sich noch ca. 8 lfd. m unverzeichneter Nachtrag beim Bestand. |