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    Landeskirchliches Archiv Stuttgart
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    C - Bildungseinrichtungen und Seminare
    D - Private Nachlässe und Sammlungen
    E - Kirchenbücher
    F - Dekanatsarchive
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    F 2 Evangelisches Dekanatamt Backnang
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    F 50 Evangelisches Dekanatamt Waiblingen
    F 4 Evangelisches Dekanatamt Bad Urach
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    F 54 Bezirkskantorei Balingen
    F 6 Evangelisches Dekanatamt Besigheim 1533-1996
    F 7 Evangelisches Dekanatamt Besigheim 1966-1995
    F 8 Evangelisches Dekanatamt Biberach
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    F 11 Evangelisches Dekanatamt Böblingen
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    F 13 Evangelisches Dekanatamt Calw
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    F 21 Evangelisches Dekanatamt Heidenheim
    F 23 Evangelisches Dekanatamt Herrenberg [Standort: Stadtarchiv Herrenberg]
    F 24 Evangelisches Dekanatamt Kirchheim unter Teck
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    F 26 Evangelisches Dekanatamt Langenburg
    F 27 Evangelisches Dekanatamt Leonberg
    F 28 Evangelisches Dekanatamt Ludwigsburg
    F 29 Evangelisches Dekanatamt Marbach
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    F 31 Evangelisches Dekanatamt Münsingen
    F 32 Evangelisches Dekanatamt Nagold
    F 33 Evangelisches Dekanatamt Neuenbürg 1557-1966
    F 34 Evangelisches Dekanatamt Neuenbürg 1743-1967
    F 35 Evangelisches Dekanatamt Neuenstadt
    F 36 Evangelisches Dekanatamt Nürtingen
    F 37 Evangelisches Dekanatamt Öhringen
    F 38 Evangelisches Dekanatamt Ravensburg
    F 40 Evangelisches Dekanatamt Schorndorf
    F 41 Evangelisches Dekanatamt Schwäbisch Gmünd 1810-1966
    F 39 Evangelisches Dekanatamt Reutlingen

    Vollansicht Bestand

    Signatur: F 39
    Name: Evangelisches Dekanatamt Reutlingen
    Laufzeit: 1480-1991
    Beschreibung: ===== Ortsgeschichte und Ortskirchengeschichte =====

    Die Reichstadt Reutlingen war bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts kirchlich nicht selbständig. Das Kloster Königsbronn Patronatsrecht aus, wodurch die eigentliche kirchliche Obrigkeit der Bischof von Konstanz war. Der Rat der Stadt versuchte über die Stiftung von Pfründen Einfluss auf das Kirchenwesen zu gewinnen. Auf eine dieser Stellen wurden 1521 Matthäus Alber berufen, der damit begann, im Sinne der reformatorischen Theologie zu predigen. Um 1525/26 ersetzte Alber mit Unterstützung des Rates die bisherige Liturgie durch eine evangelische Gottesdienstordnung. Reutlingen gehörte 1529 zu den Unterzeichnern der Protestation zu Speyer und schloss 1531 sich dem Schmalkadischen Bund an.
    Die vornehmlich zu Württemberg gehörenden Ortschaften der Reutlinger Umgebung wurden mit der Einführung der Reformation durch Herzog Ulrich im Jahr 1534 evangelisch. Sie waren dem Uracher Dekanat zugeordnet, bis 1711 die Spezialsuperintendenz Pfullingen mit den Ortschaften Ehingen, Erpfingen, Genkingen, Hausen a.d.L., Holzelfingen, Honau, Mägerkingen, Pliezhausen, Sondelfingen, Unter- und Oberhausen und Willmandingen gebildet wurde. Bis 1810 gehörte das Dekanat Pfullingen zur Generalsuperintendenz Denkendorf, danach zur Generalsuperintendenz Urach. Im Jahr 1817 wurde es schließlich dem neugeschaffenen württembergischen Dekanat Reutlingen angegliedert. Die ebenfalls neu gebildeten Oberämter Reutlingen, Münsingen und Urach bildeten nun auch kirchliche Verwaltungseinheiten.
    Bereits vor der dieser kirchlichen Verwaltungsreform bestanden über das Ruralkapitel institutionalisierte Kontakte zwischen den reichsstädtischen Predigern und württembergischen Geistlichen der benachbarten Dörfer. Das Ruralkapitel, dessen erste Erwähnung ist aus dem Jahr 1412 überliefert ist, bestand im Jahre 1765 aus den Pfarrern der Stadt Reutlingen und den Geistlichen der der Reichstadt gehörenden Orte Betzingen, Bronnweiler, Wannweil und Gomaringen, das bereits seit 1648 zu Württemberg gehörte. Hinzu kamen die Geistlichen der württembergischen Orten Pfullingen, Eningen, (Unter-)hausen, Holzelfingen, Honau, Kirchentellinsfurt, Mittelstadt, Oferdingen, Pliezhausen, Sondelfingen und Walddorf. Die Ortschaften Degerschlacht war vor der Reformation nach Reutlingen eingepfarrt und nur mit einem Kaplan besetzt, weshalb sie keinen eigenen Sitz in dem Gremium hatte. Ebenso erging es Ohmenhausen, das zu Mähringen gehörte und Rommelsbach, das nach Oferdingen eingepfarrt war. Aufgabe der Pfarrerversammlung war die Wahl des Dekans und Kämmeres. Diese hatten wiederum zwei bis drei Mal theologischer Fortbildung abzuhalten, „ungebuehrlich auffuehrende Capitulares zu maßregeln, Vakanzen zu regeln und die soziale Absicherung für Hinterbliebenen der Amtsbrüder zuorganisieren. Seit 1687 war kein städtischer Reutlinger Pfarrer mehr Dekan dieses Gremiums. Das Reutlinger Ruralkapitel blieb bis 1802/03 für die Reutlinger und württembergischen Pfarrer zuständig und wurde 1826 aufgelöst.
    Mit dem Reichsdeputationshauptschluss wurden die Reichstädte mediatisiert. Reutlingen wurde Württemberg zugeschlagen und die reichstädtische Superintendenz in das württembergische Dekanat Reutlingen umgewandelt. Diese war zunächst der neuwürttembergischen Generalsuperintendenz Heilbronn zugeordnet. Ab 1806 war die Generalsuperintendenz Bebenhausen für das Reutlinger Dekanat zuständig. Schließlich wurde 1823 eine Generalsuperintendenz Reutlingen eingerichtet, die 1933 nach Stuttgart verlegt wurde. Von 1934 bis 1955 gehörte Reutlingen zur Prälatur Ludwigsburg, bevor es 1965 wieder eine eigene Prälatur erhielt. Die Stadt Reutlingen war seit 1808 württembergische Oberamtstadt und zwischen 1817 und 1925 Verwaltungssitz des Schwarzwaldkreises.
    Die Grenzen des Kirchenbezirks Reutlingen änderten sich seit dem Ende der reichstädtischen Zeit mehrmals. Bereits im Jahr 1807 kam die Gemeinde Gomaringen vom Dekanat Tübingen zum Reutlinger Kirchenbezirk, der 1817 mit dem Dekanat Pfullinger vereint wurde. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erfolgte 1939: die Zuteilung von Degerschlacht, Sickenhausen, Gönningen, Oferdingen, Altenburg, Rommelsbach aus dem Dekanat Tübingen und von Ohnastetten und Sondelfingen aus dem Dekanat Urach (Best.-Nr. 276)
    Nach 1947 kam die Kirchengemeinde Gammertingen von der hohenzollerischen (preußischen) Kirche zu Reutlinger Kirchenbezirk (Best-Nr. 432).
    Die Gesamtkirchengemeinde Reutlingen wurde 1907 mit dem Beitritt der Betzinger Mauritius gemeinde gebildet. Im Zuge dieses Zusammenschlusses richtete man 1908 die Teilkirchengemeinden Marien-, Leonhard- und Katharinengemeinde ein (Vgl. Schaubild zur Genealogie der Reutlinger Pfarrstellen). Im Jahr 1939 wurde die Christuskirchengemeinde von der Katharinengemeinde abgetrennt, desgleichen 1957/8 die Auferstehungsgemeinde. Die Kirchengemeinde Kreuzkirche wurde 1958 durch Ablösung des Zweiten Bezirks der Leonhardskirche eingerichtet. Ab diesen Zeitpunkt bestand die Gesamtkirchengemeinde Reutlingen aus sieben Teilkirchengemeinden, der 1964 Bildung die Teilkirchengemeinde Orschel-Hagen (heute Jubilategemeinde) hinzugefügt wurde, die man ebenfalls aus der einem Bereich der Christuskirchengemeinde abtrennte.


    ===== Entwicklung der Reutlinger Pfarrstellen (ohne Betzingen) seit der Reformation bis 1966 =====

    Ursprünglich geschah die geistliche Versorgung der Reutlinger Kirchengemeinde über fünf Pfarrstellen, nämlich die erste Pfarrstelle (I) mit dem Hauptprediger, beziehungsweise Superintendent oder Senior, die zweite Pfarrstelle (II) mit dem Stadtpfarrer, die dritte Pfarrstelle (III) mit dem Archidiakon oder Oberhelfer, die vierte Pfarrstelle (IV) mit dem Subdiakon oder Unterhelfer und zuletzt die fünfte Pfarrstelle (V) mit dem Hospitalprediger oder Waisenhausprediger, wobei letztere Stelle bis 1530 eine Sonderkaplanei war. Die Pfarrstelle I war ab 1803 die Stelle des Dekans und wurde ab 1907 die Pfarrstelle Marienkirche I. Die Pfarrstelle II (Stadtpfarrstelle) bestand bis 1810. Die Pfarrstelle III hingegen wurde ab 1847 die 2. Stadtpfarrei und ab 11907 die Pfarrstelle Marienkirche II. Die oben genannte Pfarrstelle IV wurde ab 1847 zur Stelle des Oberhelfers, ab 1891 zur 3. Stadtpfarrei und ab 1907 zur Pfarrstelle I der Leonhardskirche. Pfarrstelle V (ehem. Hospitalpredigerstelle) wurde ab 11847 zum Diakonat, ab 1891 zur 4. Stadtpfarrei, ab 1907 zur Pfarrstelle I der Katharinenkirche und ab 1937 zur Pfarrstelle I der Christuskirche. 1964 kam ganz neu die Jubilatekirche im Stadtteil Orschel-Hagen dazu. Die Leonhardskirche erhielt 1929 eine Pfarrstelle II, die ab 1957 zur Kreuzkirchenstelle wurde. Die Christuskirchengemeinde erhielt ab 1957 eine Pfarrstelle II. Die Katharinenkirche erhielt ab 1920 eine Pfarrstelle II, die auch das Jugendpfarramt war. Diese Pfarrstelle II wurde ab 1937 zur Pfarrstelle I. Die dann 1954 neu geschaffene Pfarrstelle II der Katharinenkirche wurde bereits 1957 zur Pfarrstelle Auferstehungskirche. 1891 wurde eine 5. Stadtpfarrei neu eingerichtet, welche dann ab 1907 zur Pfarrstelle III der Marienkirche wurde.



    ===== Bestandsstruktur =====

    Entsprechend kompliziert gestaltet sich die Bestandsstruktur des Dekanatsarchivs Reutlingen. Den ersten Teil bilden die Amtsbücher der Dekanate Reutlingen und Pfullingen sowie der Pfarrämter der Leonhard-, Katharinen- und Christuskirche.
    Der Aktenbestand wird angeführt von den Akten des Dekanatamts Pfullingen. Die nahezu zeitgleich angefallenen Akten des Ruralkapitels Reutlingen bilden den nächsten Teilbestand. Da das Ruralkapitel weitgehend frei von Verwaltungstätigkeiten war, handelt es sich hierbei überwiegend um theologische Aufsätze und Thesen die zu den Pfarrerversammlungen angefertigt wurden.
    Die anschließenden Allgemeinen Akten des Dekanatsarchivs Reutlingen bis zur Einführung des Aktenplans 1893 sind nicht sehr umfangreich. Die Einteilung der Allgemeinen Akten orientiert sich also an verwaltungstechnischen Neuentwicklungen bei der Schriftgutformierung und nicht in erster Linie an herrschaftsgeschichtlichen Eckdaten. Als Besonderheit des Reutlinger Bestandes muss allerdings gelten, dass die Akten nicht einheitlich geführt wurden und v.a. für die Zeit des 19. Jahrhunderts erhebliche Lücken aufweisen. Deswegen - und weil sie bis über die ganze Laufzeit in der Altregistratur verwahrt wurden - wurden die Ortsakten keiner der bestehenden Registraturschichten zugeordnet, sondern als separater Teilbestand behandelt. Der nächste Teilbestand beinhaltet die neuere Abteilung des Dekanatsarchivs ab dem Jahr 1893. Zusätzlich wurden die übrigen Bestände der Altregistratur bis 1966 dieser Aktenschicht zugeführt.
    Daran wurden die Akten der Pfarrämter angeschlossen, wobei die Akten des Pfarramtes Marienkirche, zugleich die Gesamtkirchengemeinde betreffen. Obwohl die Leonhardskirche erst 1894 als Provisorium für die Zeit des Umbaus der Marienkirche gebaut wurde und die Teilkirchengemeinde erst 1908 eingerichtet wurde, reichen vor allem die Seelsorgeakten bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, da der Pfarrer der Leonhardskirche zuvor der III. Stadtpfarrer von Reutlingen war. Die Verkündbucher der Heilig-Geistkirche (Spitalkirche) wurden ebenfalls der Provenienz Leonhardskirche zugeordnet, weil die diese nach der Fertigstellung der renovierten Marienkirche die Predigtstelle der Heilig-Geist-Kirche übernommen hat. 1912 verzichtete die Kirchengemeinde auf ihr im Grundbuch eingetragenes Nutzungsrecht der Spitalkirche „zum heiligen Geist, woraus sie in die Verwaltung der Stadt zurückgegeben wurde.
    Entsprechend der Entstehungsgeschichte (vgl. dort) der verschiedenen Pfarrämter wurden die anschließenden Bestände der Teilkirchengemeinde Katharinenkirche und Christuskirche gemeinsam überliefert. Bei der Verzeichnung wurde 1937 ein Schnitt im Aktenbestand angesetzt. Die älteren Akten wurden mit noch im Pfarramt der Katharinenkirche liegenden Akten der Schicht 1938-1966 ergänzt, die jüngere Schicht der Provenienz Christuskirchengemeinde zugeordnet.
    Zu den Akten zur Vermögensverwaltung der Kirchenbezirke Pfullingen beziehungsweise Reutlingen, kommen noch einige Sammlungen zur Kirchengeschichte Reutlingens und Württembergs speziell während des Ersten Weltkrieges und des Nationalsozialismus und Studienunterlagen des Betzinger Pfarrers Alfred Kraft (1914-1963).
    Im Januar 2021 übernahm das Landeskirchliche Archiv noch Unterlagen der Kirchenpflege Reutlingen, welche in den Ausführungen zur Geschichte des Archivs beschriebenen Bestandsteilung zunächst im Stadtarchiv Reutlingen verblieben waren. Hierbei verblieben die Unterlagen bis 1820 in Stadtarchiv, da diese ungefähr die reichsstädtische Zeit abbilden. Bis auf vereinzelte Bände (Lagerbuch, Zinsbücher), Akten und Mappen gelangten alle Unterlagen der Kirchenpflege nach 1820 in das Landeskirchliche Archiv und wurden in den Bestand integriert.
    Fotografien wurden in die Bildnissammlung des LKAS abgeben, u.a. ein Album Fotovortrag mit Bild und Text zur Maifeier 1936, in dem die Hauptamtlichen der Kirchengemeinde abgebildet sind, sowie später Fotografien der Reutlinger Kirchen.


    ===== Zur Geschichte des Archivs =====

    In den 1950er und 1960er Jahren wurde das Dekanatsarchiv zunächst von Dr. Herbert Kopp, nach dessen Tod von Dr. Fritz Heimberger geordnet und verzeichnet. Dazu mussten zunächst die kirchlichen von den städtischen Beständen getrennt werden. Die Bestände des Stadtarchivs befanden sich seit dem 18. Jahrhundert in der Marienkirche. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dort zudem ein kirchliches Archiv eingerichtet. Mit der Ausscheidung des Kirchenvermögens ging 1902die Marienkirche in den Besitz der Kirchengemeinde über. Eine klare Trennung zwischen kirchlichem und städtischem Archivgut unterblieb, so dass die Provenienzen oftmals unklar blieben. Beide Bestände firmierten unter dem Namen „Kirchenarchiv. Erst Heimberger trennte 1962 die Provenienzen. Die entsprechenden Bestände wurden dem Stadtarchiv Reutlingen übergeben. Es handelte sich dabei in erster Linie, neben anderen Akten der Ökonomieverwaltung, um Akten ehemals reichsstädtischer Stiftungspflegen, die seit 1822 unter der Verwaltung eines gemeinsamen städtisch-kirchlichen Pflegschaftsrates standen. Eine detaillierte Auflistung der abgegebenen Archivalien befindet sich in Bestell Nr. 522.
    Die von Heimberger als aus kirchlicher Provenienz stammend klassifizierten Bestände wurden ebenfalls 1962 durch ein Archivinventar erschlossen. Später wurde Teil I dieses Inventars, nämlich die „Akten der Reutlinger Pflegen an das Stadtarchiv abgegeben. Ungefähr die Hälfte dieser Akten, die damals an das Stadtarchiv übergeben worden waren, gelangten im Rahmen einer Bestandsbereinigung dann 2021 in das Landeskirchliche Archiv, nämlich die Akten ab 1820, die auch die Überlieferung des Baubüros der Marienkirche aus der Zeit um 1893-1902 enthalten. 1998 waren bereits die Bestände des Evang. Dekanatamts und des ersten Pfarramtes Reutlingen ins Landeskirchliche Archiv übernommen worden. Lediglich die Druckschriften (D 9 + 19) und die Kirchenbücher nach 1875 verblieben vor Ort. Später kamen auch die Bestände der Pfarrämter Leonhardskirche, Katharinenkirche und Christuskirche ins Landeskirchliche Archiv und wurden dem vorliegenden Bestand zugeordnet. Durch die Neuverzeichnung, die alle Akten bis zum Jahr 1966 erschlossen hat, sind - mit Ausnahme von Betzingen - die Archive aller Teilkirchengemeinden des Kirchspiels Reutlingens mit Stand vor dem Zweiten Weltkrieg zusammengeführt und stehen für die Benutzung zur Verfügung. Für die nach dem Bevölkerungszuwachs der Nachkriegszeit erst in den 1950er und 1960er Jahre gegründeten Teilkirchengemeinden (Kreuz-, Auferstehungs-, Jubilategemeinde) gibt es noch kaum archivwürdige Akten, so dass diese Bestände keine Aufnahme ins Archiv-Inventar fanden.
    Dazu kommt der Bestand der Kämmererakten aus dem Pfarramt Rommelsbach. Hier sind vor allem die Gebäudebeschreibungen der Reutlinger Pfarrhäuser, sowie der Pfarrhäuser Altenburg, Bronnweiler und Gammertingen. Von der Kreisregierung des Schwarzwaldkreises wurden Pfarrbesoldungsakten aus dem 19. Jahrhundert ins Dekanatsarchiv übergeben und hier den Ortsakten angegliedert.
    Aus datenschutzrechtlichen Gründen sind bestimmte Akten gesperrt, da sie personenbezogenes Schriftgut enthalten. Dies ist bei der jeweiligen Akte im Inventar angegeben.
    Vorliegender Bestand weist also folgende Provenienzen auf:
    - Dekanat (Spezialsuperintendenz) Pfullingen
    - Dekanat Reutlingen
    - Pfarramt Reutlingen-Marienkirche
    - Pfarramt Reutlingen-Katharinenkirche
    - Pfarramt Reutlingen-Christuskirche
    - Pfarramt Reutlingen-Leonhardskirche
    - Kreisregierung des Schwarzwaldkreises
    - Ruralkapitel Reutlingen
    - Pfarramt Rommelsbach
    - Kirchenpflege Reutlingen

    Das verzeichnete Archiv umfasst rund 65 laufende Meter.


    ===== Besonderheiten des Bestandes =====

    Für die Baugeschichte der Marienkirche sind die Rechnungen und Unterlagen der Bauhütte (1893-1902) von Interesse (Best.-Nr. 3305-3403), die 2021 im Rahmen einer Bestandsbereinigung von 2021 an das Landeskirchliche Archiv gelangten und in den Bestand integriert wurden. Die Baugeschichte kann zum Beispiel durch die sorgfältig undchronologisch angelegten Zeitungsausschnittsammlungen (Best.-Nr. 3395-3398) nachvollzogen werden. Eindrucksvolle Detailzeichnungen und Skizzen der Steinmetzzeichen, die im Rahmen des Baubüros entstanden finden sich in den Bestellnummern 3404 bis 3406.

    Reutlinger Pfarrer haben die Ereignisse des Kirchenkampfes dokumentiert. Die Überlieferung aus der Dekanatsregistratur wurde übernommen. Eine zweite thematische Sammlung von Erlassen und Rundschreiben, die von Pfarrer der Katharinenkirche Ernst Knapp angelegt wurde, wurde der Sammelstelle des Landeskirchlichen Archivs übergeben. Zu erwähnen sind auch die Disziplinarakten über Gustav Werner (Bestell-Nr. 247/248) als eine besondere Überlieferung im Bestand, wie auch Unterlagen über die Singbewegung (Reutlinger/Schwäbischer Singkreis). Mit der Soziologie der Kirchengemeinde beschäftigt sich ein unveröffentlichter vorläufiger Arbeitsbericht von Peter L. Berger. Aufgrund der Seltenheit von Predigtüberlieferungen ist hier auch auf die Predigtsammlung von Johannes Länge (1901-1972) hinzuweisen. Nicht zu erwarten wäre auch, dass sich Studienunterlagen eines Pfarrers in einem solchen Bestand finden, wie sie von dem Betzinger Pfarrer Alfred Kraft (1914-1963) vorhanden sind. Von Interesse dürften die Akten zur Einweihung des Matthäus-Alber-Hauses im Jahr 1955 und des Johannes-Brenz-Gemeindezentrums 1957 sein.


    ===== An Bibliothek des OKR abgegeben =====

    Monografien
    Georg David Beger, Kirchengeschichtlich- und rechtliche Nachrichten von dem Ruralkapitel, in des Heil[igen] Röm[ischen] Reichs-Stadt Reutlingen, Lindau 1795.
    Gustav Bosser. Der Reutlinger Sieg von 1524. Ein Ehrenblatt aus Reutlingens Geschichte (Für die Feste und Freunde des Gustav-Adolf-Vereins, 178), Barmen [1894].
    Gustav Bosser. Der Reutlinger Sieg von 1524. Ein Ehrenblatt aus Reutlingens Geschichte, Reutlingen 1924.
    Friedrich Braun, Joh. Hinrich Wichern und Gustav Werner, zwei christliche Volksfreunde, Stuttgart 1888
    Prof. Breining, Die soziale Frage und die griechische Lektüre im Gymnasium (=Wissenschaftliche Beilage zum Programm des Gymasiums Reutlingen, Herbst 1913, Reutlingen 1913.
    J. Eberle, Kann mit den Methodisten Frieden sein? Ein Wort an alle Redlichen und die unsere Kirche lieb haben, Stuttgart 1879.
    Theodor Finckh, Der Lehrstoff der philosophischen Propädeutik (=Wissenschaftliche Beilage zum Jahresbericht der Oberrealschule Reutlingen, 1907/1908), Reutlingen 1908.
    Michael Fischer, Klage, Ach, und Wehe, enthalten in einem Göttlichen Brieff an das Seines Schöpffers vergessenen und deswegen hart gestraffte Reuttlingen: an dem, nach der den 23. Sept. 1726 daselbst entstandenen entsetzlichen Feuers-Brunst, auf den 19. p. Trin. gehaltenen Buß- Bett- und Fast-Tag, aus Hos. VIII. v. 14 vorgestellt und sammt angehängtem Bericht von ermeldeter Feuers-Brunst zum Druck überlassen, Neudruck [aus Anlaß d. Einweihung d. neu erstandenen Marienkirche], Reutlingen 1901.
    C. Friderich, Josua Weiß, Reutlingens Bürgermeister zur Zeit der Reformation, Reutlingen 1867
    Ernst Fröhlich, Fünfzig Jahre Reutlinger Kirchengeschichte. Plaudereien eine alten Reutlingers [Reutlingen 1933].
    Dekan a.D. Herzog, Aus sechs Kriegs-Jahren. Übersichtsbericht für die Diözesansynode Reutlingen, Reutlingen 1920.
    Wolfgang Metzger, Aus vergangenen Zeiten. Bausteine zu einer Orstgeschichte von Bronnweiler, Heft 1: Vorgeschichte und Gründungsgeschichte, 1932.
    J. Rauscher, Matthäus Alber und Kloster Blaubeuren, o.D.
    Georg Friedrich Schütz, Catechismus für die Leichenschauer, oder Belehrung über die Pflichten derselben und Anweisung, wie sie sich in allen Fällen zu verhalten haben, Stuttgart 1834.
    Hans Seeliger, 100 Jahre Evangelische Kirche in Hohenzollern, Sigmaringen 1950.
    Oberamtsbaumeister Staiger, Vom alten und neuen Friedhof der Gemeinde Unterhausen - Oberamt Reutlingen, Reutlingen 1924
    E[duard] H[ermann] Ströle, Matthäus Alber der Reformator von Reutlingen. Ein Lebensbild für Schule und Haus zur Feier seines Geburtstags, Reutlingen 1895.
    Gustav Werner, Die Papierfabrik zum Bruderhaus und ihre Eröffnung. Ein Vermächtnis an die Seinen, Reutlingen 1851
    Gustav Werner, Das Mutterhaus. Gotteshilfe in Reutlingen und seine Zweig-Anstalten. Dessen Bestimmungen und nunmehriger Bestand, Stuttgart 1862.
    Heinrich Weizsacker, Die Reutlinger Marienkirche, Reutlingen 1930.
    Theophil Wurm, Der Weg zur wahren Einheit. Predigt am Pfingstfest, 20. Mai 1934 in der Marienkirche zu Reutlingen (Apg. 2, 1-18), Stuttgart 1934.
    Theophil Wurm, Predigt zur Einweihung der Christuskirche in Reutlingen am 29. November 1936 (Matth. 21, 1-9), Stuttgart 1936.

    Ohne Autor
    Bericht über die Wiederherstellung der Marienkirche zu Reutlingen, hrsg. vom Kirchbauverein, Reutlingen 1899.
    CVJM - 100 Jahre Evangelisches Jungmännerwerk Pfullingen, Pfullingen 1965.
    Zur Erinnerung an die Wiedereinweihung der Marienkirche in Reutlingen, Druckschrift 1901.
    Zur Erinnerung an das Jubiläum der Friedrich-List-Oberralschule in Reutlingen, 1937
    Evang. Kirchengemeinde „Jubilate 1. Oktober 1967, hrsg. von der Evangelischen Teilkirchengemeinde „Jubilate, Reutlingen 1967.
    Evang. Kreuzkirchengemeinde Reutlingen, hrsg. von der Evang. Kreuzkirchengemeinde Reutlingen, 1959.
    Festbericht über die Feier des 100jährigen Geburtstages von Vater Werner am 12. März 1809/1909 aus dem Bruderhaus Reutlingen, Reutlingen 1909.
    Festschrift 25 Jahre Christuskirche Reutlingen, Reutlingen 1961.
    Festschrift zum 60jährigen Jubiläum der Kolpingfamilie Reutlingen. Einweihung des Jugendwohnheims Kolpinghaus Reutlingen, 1955
    Festschrift zur Einweihung der Evangelischen Kirche Burladingen am 10. November 1963.
    Hundert Jahre Kreissparkasse Reutlingen, 1853-1953.
    Die Geschichte des Evangelischen Jungfrauenvereins Reutlingen 1882-1907.
    Jubiläumsfestschrift der Oberrealschule Reutlingen 1876/1926, Pfullingen [1962]
    Die Marienkirche in Reutlingen, hrsg. von der Kunstanstalt Sautter 2 Bde., Reutlingen o.D.
    Der Marienkirche in Reutlingen, 1901
    Die Marienkirche in Reutlingen, Teil I: Rückblick auf die Erneuerungsarbeiten 1893 bis 1901, Reutlingen, 1901.
    Die Marienkirche in Reutlingen, Teil II: Einweihungsfeierlichkeiten 24. November 1901, Reutlingen, 1901.
    Die Marienkirche in Reutlingen. Eine Denkschrift auf Veranlassung des Reutlinger Kirchenbauvereins und mit Unterstützung von kunstsinnigen Privaten, Stuttgart 1903.
    Die Marienkirche in Reutlingen, Vierzehn Aufnahmen in Lichtdruckwiedergabe, Reutlingen 1922.
    Der Lager-Kamerad, 3. Jahrgang Nr. 11/12 vom 9. Juni 1935, Sonderausgabe der Arbeitsdienstgruppe Reutlingen.
    Die Nikolaikirche in Reutlingen. Herausgegeben anlässlich der Erneuerung und des Umbaues des Kircheninnern von Architekt Lubrecht Reutlingen, o.D.
    Reutlingen. Das altehrwürdige Reutlingen. Lebendige Stadt am Webstuhl der Zeit, o.D.
    Reutlinger Kammerchor, Reutlingen 1966.
    Theodor-Heuss-Schule Reutlingen, Pfullingen [1961]
    Die Vierjahrhundertfeier der Reformation zu Reutlingen: 1517 - 1917 ; im vierten Jahr des großen Krieges, Reutlingen [1918].
    Württemberger Land. Monatschrift für Fremdenverkehr, Kultur und Wirtschaft (Themenheft Reutlingen), o.D.
    Zur Einweihung der neuen Andreas-Kirche in Ehingen u.A. am 19.10.1930
    Zur Erinnerung an die Wiedereinweihung der Marienkirche in Reutlingen am 24. und 25 November 1901.

    Periodika
    Achalm. Sonderheft 1923
    Unsere Heimat. Aus Kultur und Leben in Schwaben. Beilage des Reutlinger General-Anzeigers
    Bilder-Bote für das evangelische Haus, 12/1937
    CVJM- Monatszeitschrift des CJVM Reutlingen, 1927-1967 (mit Lücken)
    diverse Jahresberichte der Heil- und Pflegeanstalt für Schwachsinnige in Mariaberg
    Jahresberichte des Gymnasium Reutlingen (mit Elementarschule), 1911-1915, 1918/1919
    Jahresberichte der Kgl. Oberrealschule Reutlingen, 1912-1915, 1918/1919
    Nachrichtenblatt der Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 2/1958.


    ===== Zusätzliche Literatur zu Reutlingen =====

    Martin Brecht, Reutlingen und die Reformation in Deutschland, in: BWKG 80/81 (1980/81), S. 5-23.
    Umfang: 65 lfd. m
    Bemerkung: mit KB und Ahnenregister
    F 42 Evangelisches Dekanatamt Schwäbisch Gmünd 1966-2000
    F 43 Evangelisches Dekanatamt Schwäbisch Hall [Standort: Stadtarchiv Schwäbisch Hall]
    F 44 Evangelisches Dekanatamt Stuttgart
    F 45 Evangelisches Dekanatamt Sulz am Neckar
    F 46 Evangelisches Dekanatamt Tübingen
    F 47 Evangelisches Dekanatamt Tuttlingen
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    G - Pfarrarchive
    H - Handschriften
    K - Einrichtungen, Werke, Vereine
    L - Diakonie
    AS - Archivische Sammlungen
    Fremdbestände