===== Orts- und Kirchengeschichte =====
Am Fuße des Ipf und am Eingang zum Nördlinger Ries gelegen, wird Bopfingen im 9. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Es ist zu vermuten, der Ort in der Landnahmezeit der Nähe des römischen Kastells Opie (Ipf) entstanden ist. Bopfingen liegt an der Kreuzung von zwei alten Handelsstraßen. Wohl um 1230 wurde der Ort unter den Staufern zur Stadt erhoben und kam nach Erlöschen der Dynastie an das Reich. Seine Stellung als Reichsstadt konnte Bopfingen wahren, auch wenn es kein nennenswertes Territorium ausbildete und im Reichsgeschehen keine Rolle spielte. 1802 fiel die Stadt an Bayern und wurde dann 1810 dem Königreich Württemberg zugeschlagen. Das Patronatsrecht gehörte zunächst den Grafen von Oettingen, die es 1358 dem benachbarten Kloster Kirchheim überließen. In Bopfingen amtierten im Mittelalter mehrere Geistliche. Nach der 1525/46 durch den Rat der Stadt durchgeführten Reformation blieben ein Pfarrer und ein Vikar übrig, dem die Pastoration der Filiale Oberdorf oblag. Allerdings kam es mit dem katholischen Patronatsherrn, dem Kloster Kirchheim, zu ständigen Streitigkeiten um Besetzung und Ausstattung der Pfarrstellen. Erst 1774 konnte die Stadt das Patronat durch Tausch erwerben. Die evangelische Pfarrkirche St. Blasius wird 1299 erstmals urkundlich erwähnt. Es finden sich Zeugnisse aus verschiedenen Epochen, so romanische Fragmente im Schiff, hochgotische Maßwerkfenster und einen spätgotischen Altar von Friedrich Herlein (1472). Bopfingen war insbesondere nach Einführung der Reformation ein kirchliches Zentrum im vorwiegend katholisch geprägten Umland. Es versorgte (und versorgt heute noch) die evangelischen Bürger in vielen Weilern, Höfen und katholischen Ort. Einzelne Orte den inzwischen zu eigenständigen Pfarreien, so beispielsweise Lauchheim mit der ehemaligen Deutschordensburg Kapfenburg 1952 und Oberdorf 1958. Bopfingen ist als eines der östlichsten württembergischen Pfarrämter dem Dekanat Aalen eingegliedert.
===== Bestandsgeschichte =====
Pfarrarchiv sowie Pfarrbibliothek gehören zu den wertvollsten im Bereich der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Bibliothek besteht in ihren ältesten Teilen aus einer Predigerbibliothek, die im 15 und 16 Jahrhundert gebildet wurde, und umfasst auch Inkunabeln. In den Jahren 1992 bis 1995 wurden stark beschädigte Drucke und Amtsbücher restauriert. Da die Verhältnisse im Pfarramt inzwischen sehr beengt waren und eine sachgerechte Verwahrung von Archiv und Bibliothek auf Dauer nicht sicherzustellen war, beschloss der Kirchengemeinderat 1999 die Abgabe. Das Pfarrarchiv wird nun im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart, die Bibliothek in der Zentralbibliothek des Oberkırchenrats Stuttgart verwaltet und verwahrt. Von der Abgabe ausgenommen sind die Kirchenbücher (Kapitel I, 1) die sich weiterhin im Pfarramt befinden. Das Archiv wurde mehrmals bearbeitet und geordnet. Die umfangreichste Ordnungs- und Verzeichnungsarbeit führte zwischen 1958 und 1962 Paul Sauer durch. Der Übernahme ins Sprengelarchiv Ulm folgte eine Neuverzeichnung durch die Sprengelarchivarin, um den kompletten Archivbestand bis 1966 in aufbereiteter Form der Benutzung freigeben zu können. Im Bereich der älteren Abteilung (Kapitel III, 1) wurde die Ordnung des Jahres 1962 im Großen und Ganzen beibehalten. Bei den Bänden stimmen die neuen Bestellnummern mit den alten Inventarnummern überein, um die teilweise sehr wertvollen Bande keiner weiteren Signierung unterziehen zu müssen. Bei den ungebundenen Akten musste leider festgestellt werden, dass 1962 nur eine sehr grobe Ordnung vorgenommen wurde. Deshalb wurde nun eine stärkere Strukturierung und Teilung von zu großen Faszikeln angestrebt. Auch die Laufzeiten waren häufig nicht korrekt angegeben und zu lang. Zudem wurde versucht, Akten, die nach 1900 entstanden sind, der jüngeren Abteilung zuzuschlagen (Kapitel III, 2). Dies war nur dann möglich, wenn der inhaltliche Zusammenhang der Faszikel nicht zerstört und eine Zuordnungseinheit im Bereich der jüngeren Akten vorhanden war. Ebenso wurde im Bereich der Altregistratur (Aktenschicht ca. 1901-1966) versucht, die Akten des 19. Jahrhunderts abzutrennen und der älteren Abteilung zuzuordnen (Kapitel III, 1) - auch dies soweit es sinnvoll und möglich war. Es ließ sich jedoch nicht vermeiden, dass sich die Laufzeiten in den verschiedenen Aktenschichten überschneiden, da einer Abtrennung nicht immer möglich war. Als herausragende Besonderheit des Bestandes muss an erster Stelle das sog. „Mirakelbuch[1] genannt werden. Dieses handschriftliche Verzeichnis von Gebetserhörungen und Wunderheilungen im Zusammenhang mit einer in Bopfingen verehrten Blasiusreliquie gilt als landeshistorisch schutzwürdig, da es sich um eine „hochinteressante volkskundliche und religionsgeschichtliche Quelle am Vorabend der Reformation und zudem als einziges deutschsprachiges Zeugnis dieser Art im südwestdeutschen Raum handelt.[2] Aber auch die bereits 1546 einsetzenden Kirchenbücher, die stattliche Reihe an Sal- und Lagerbüchern, die in vorreformatorischer Zeit einsetzen, der Bestand an Urkunden, die Akten aus der Zeit der Auseinandersetzung um die Einführung und Etablierung der Reformation zeichnen das Bopfinger Pfarrarchiv als eines der inhaltsreichsten Archive aus, obwohl vermutlich ein Teil der Überlieferung im Laufe der Zeit bereits verloren gegangen ist. Auch der Umfang von ca. 13 lfd. m weist den Bopfinger Bestand als einen der größeren aus. Bei der Verzeichnung wurde nach den Richtlinien des Landeskirchlichen Archivs kassiert. Dies betraf insbesondere allgemeingültige Erlasse sowie Druckschriften, Prospekte usw. Die Unterlagen der Kirchenpflege waren bereits auskassiert worden. Nur wenige Einzelrechnungen wurden aufbewahrt. Zum Zeitpunkt der Einholung waren folgende Unterlagen nicht vorhanden: Hauptbücher der Kirchenpflege 1958-1966, A 59 (Karte der alten und neuen Zollstätten des Gesamthauses Oettingen, ca. 18. Jh.)[3], A 63 (Personalakte von Pfarrer Müller), Akten zum alten und neuen Friedhof sowie zur Friedhofskapelle (1823-1966), Verkündbuch1923-1933. Die Handschrift des beinahe 50 Jahre in Bopfingen amtierenden Pfarrers Felix Buttersack (1800-1849) ist überall spürbar und dies nicht nur in übertragenem Sinne. Er hinterließ auf vielen Schriftstücken wie beispielsweise den Urkunden oder Salbüchem kurze Inhaltsangaben und Kommentare, die aus archivarischer Sicht natürlich bedenklich sind. Zugleich zeigt es aber auch sein Bemühen um die Erhaltung sowie Verständnis für das überlieferte Erbe. Teilweise setzen sie uns über den Umgang mit diesem Erbe in Kenntnis (vgl. Bemerkung zu Nr. 49). Auch spätere Pfarrer und Vikare beschäftigten sich mit der Geschichte der ehemaligen Reichsstadt. So veröffentlichte beispielsweise Friedrich Richter (Pfarrer 1856-1865) 1862 „zwei Schilderungen aus der Geschichte der ehemaligen Reichsstadt Bopfingen.
Ulm, im September 1999, Dorothea Reuter
[1] Vgl. Wolfgang Irtenkauf: Das Bopfinger Mirakelbuch. In: BWKG 64 (1964), S. 176-201. [2] Felix Heinzer/Joachim Migl: Bibliotheken als bewegliche Kulturdenkmale. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Nachrichtenblatt des Landesdenkmalamtes 3/1999, S. 160. [3] Laut einer Aktennotiz, die sich an völlig falscher Stelle befand, wurde die Karte 1951 an eine Privatperson ausgeliehen und wohl nicht mehr zurückgefordert. Wie sie 1963/64 verzeichnet werden konnte, ist nicht nachvollziehbar. 1999 war sie zumindest nicht mehr auffindbar.
Nachlieferung Akten und Amtsbücher 1967 - 1998 im Februar 2024 (einschließlich Kirchengemeinderatsprotokolle, ohne Kirchenbücher nach 1875) |