===== Ortsgeschichte =====
Die erste eindeutige urkundliche Erwähnung datiert in das Jahr 1109: ein Conrad von Merlenheim vermacht dem Kloster Hirsau Güter, darunter zwei Huben in Gruppenbach. Gesicherte Spuren von Besitzern und Lehensträgern gibt es ab 1277: die Weinsberger Herren verpfänden ihren Besitz in Gruppenbach an den Pfalzgrafen Ludwig. Aus dieser Zeit stammt vermutlich das Ortswappen, der Reichsapfel, den die Pfalzgrafen als Truchsessen des Kaisers führen durften. Die Lehenszugehörigkeit zur Pfalz dauerte bis 1504: Ulrich von Württemberg erobert die Herrschaft Stettenfels für den Kaiser und wird mit ihr belehnt. Die Ortsgeschichte von Untergruppenbach wird bestimmt durch die Zugehörigkeit zur Herrschaft Stettenfels. Im Jahr 1356 wird zum ersten Mal die Burg Stettenfels erwähnt. Die Familie Sturmfeder kauft einen Teil von Burg und Herrschaft von Heilbronner Bürgern; der andere Teil wird von der Familie Hirschhorn durch Heirat übernommen. Angenommen wird, dass die Sturmfeder um 1370 die Burg zu einer größeren Anlage ausgebaut haben. Schon in dieser Zeit gehören zur Herrschaft Stettenfels Ober- und Untergruppenbach, Donnbronn, Kapfenhardt (abgegangen) und ein Teil von Wüstenhausen. 1462 kauft Raban von Helmstatt, 1478 Götz von Adelsheim, kurpfälzischer Hofmeister, die Herrschaft Stettenfels. Er erwirbt vom Kaiser das Recht, in seiner Herrschaft ein Gasthaus, eine Badstube und ein Backhaus zu errichten. Sein Sohn Zeysolf bekommt im Jahr 1502 den Blutbann als Reichslehen. 1507 wird der Erbmarschall Ulrichs von Württemberg, Konrad Thumb von Neuburg, neuer Besitzer. Er gibt zusammen mit Zeysolf von Adelsheim 1515 eine Dorfordnung heraus. 1527 kauft Wolf Philipp von Hirnheim die Herrschaft Stettenfels, muss sie aber wegen seiner Beteiligung am Schmalkaldischen Krieg an seinen Vetter Hans Walter, der kaiserlicher Rat war, abgeben. 1551 kaufen Anton Fugger und seine Brudersöhne die Herrschaft. Nach der Erbteilung gelangt die Herrschaft an Johannes (Hans) Fugger, der 1576 und erneut (nach einem Brand) 1593/94 einen Schlossbau im Burgareal errichten lässt. Bis 1747 bleibt die Herrschaft in der Hand der Familie Fugger. Dann verkauft Graf Anton Sigmund Fugger die Herrschaft an Herzog Carl Eugen, der sie 1751 der Landschaft einverleibt. Untergruppenbach ist nun württembergisches Stabsamt und gehört zum Oberamt Beilstein, nach dessen Auflösung 1810 zum Oberamt Heilbronn, ab 1812 zum Oberamt Besigheim und schließlich ab 1842 wieder zu Heilbronn. Die Einwohnerzahlen bewegen sich im 19. Jahrhundert immer bei ungefähr 1200; in den Auswandererjahren (besonders 1852/53) sind kurzfristig Rückgänge bis zu 200 Personen zu verzeichnen. Die Oberamtsbeschreibung von 1903 schreibt über die wirtschaftlichen Verhältnisse: „Vorherrschende Erwerbsquelle ist die Landwirtschaft. Mehr als 100 Einwohner sind in den großen Steinbrüchen am Jägerhaus beschäftigt; verschiedene (20-30) gehen in die Fabriken nach Heilbronn. [...] Nicht unbedeutend [...] ist der Weinbau (Fläche 1900: 40 ha) [...]. Erst durch die Zuweisung von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen nach dem 2. Weltkrieg wächst die Einwohnerzahl auf 1800. Die Gemeinde wandelt sich vom Bauerndorf zur Wohngemeinde im Schatten der benachbarten Großstadt Heilbronn. Die Eingliederung der bisher selbstständigen Gemeinde Unterheinriet (1974) und die Ausweisung größerer Baugebiete bringen einen Zuwachs auf rund 7500 Einwohner.
===== Ortskirchengeschichte =====
Die Pfarrei Gruppenbach gehörte zum Landkapitel Weinsberg innerhalb des Bistums Würzburg. 1325 wurde sie dem Julianastift Mosbach einverleibt, das bereits vorher die Patronatsrechte besaß. Eine Urkunde aus dem Jahr 1453 notiert als Kirchenpatrone sowohl Johannes den Täufer als auch den Evangelisten Johannes. Bei der nächsten urkundlichen Erwähnung 1513 erscheint neben der Dorfkirche eine Wolfgangskapelle in Obergruppenbach, von der heute keine Spuren mehr vorhanden sind. Die einstige Liebfrauenkapelle in Wüstenhausen war eine Filiale der Pfarrei Ilsfeld. Dass Wüstenhausen zur Kirchengemeinde Untergruppenbach gehört - früher teilweise, seit 1971 ganz - hängt mit den früheren Besitzverhältnissen zusammen. Die Gründe für die Zugehörigkeit Happenbachs (eines Teilorts von Abstatt) zur Kirchengemeinde Untergruppenbach sind nicht geklärt. Die ältesten Teile der Kirche, die unteren zwei Geschosse des Turms, stammen samt den Resten von Deckenmalereien (die vier Evangelistensymbole und Christus in der Mandorla) aus dem 12. Jahrhundert. Die beiden kleineren Glocken werden auf das Ende des 13. bzw. den Anfang des 14. Jahrhunderts datiert, die dritte goss Bernhard Lachaman (sie trägt den Namen Osanna) im Jahr 1507. Im Chor der heutigen Kirche steht eine Grabplatte der Engeltrudis Sturmfeder, die 1361 gestorben ist. Ein Taufstein aus dem 15. Jahrhundert hat die nachfolgenden Umbauten durch glückliche Umstände überdauert. Wolf Philipp von Hirnheim, seit 1527 Herr auf Stettenfels, erwarb 1536 das Patronat über die Johanneskirche für 4000 fl. und führte die Reformation durch. Seitdem war das Patronat mit der Herrschaft Stettenfels verbunden. Dies führte dazu, dass die katholischen Fugger den evangelischen Pfarrer und dessen Bedienstete (Mesner und Lehrer, meist in Personalunion) einsetzten. Die meisten Konflikte mit der Ortsherrschaft wurden von nun an mit diesen konfessionellen Gegensätzen begründet. Die Lehnsherrschaft Württemberg ließ sich gerne in diese Streitigkeiten hineinziehen, die 1737 in der sogenannten „Gruppenbacher Bluttat[1] gipfelten und schließlich zum Verkauf der Herrschaft an Württemberg führten. Die Pfarrei unterstand ab 1763 der Spezialsuperintendenz Lauffen, ab 1842 gehörte sie zum Gemeinsamen Oberamt Heilbronn. 1791 wurde das alte Pfarrhaus durch einen Neubau ersetzt (1963 von der bürgerlichen Gemeinde als Rathaus gekauft). 1830/31 wurde die Kirche unter der Leitung von Baurat Abel erweitert. 1854 wurde der Kirchhof rund um die Kirche aufgehoben und ein neuer (im Besitz der bürgerlichen Gemeinde) an der Donnbronner Straße eingeweiht. Bei der Einrichtung der Kirchengemeinderäte 1851 bestimmte das Gemeinschaftliche Oberamt Heilbronn, dass in Untergruppenbach neben Pfarrer, Schultheiß und Kirchenpfleger sechs Kirchengemeinderäte gewählt werden mussten, und zwar drei vom Mutterort und je einer von Donnbronn, Obergruppenbach und Happenbach. 1903/04 wurde die alte Kirche durch Oberbaurat Heinrich Dolmetsch grundlegend umgebaut. 1932 bekam das Pfarrhaus im Erdgeschoss einen Gemeindesaal. In den letzten Kriegswochen des Zweiten Weltkrieges kam es durch Artilleriebeschuss zum Einsturz von Sakristei und Teilen der Chordecke. Eine Granate traf den Kirchturm und beschädigte das elektrische Läutwerk. Neben der mühsamen und lange Jahre dauernden Beseitigung der Kriegsschäden war nach 1945 die schwierigste Aufgabe die Integration der „Neubürger in die bürgerliche Gemeinde, die vor allem katholische Heimatvertriebene aus Ungarn waren. Bis diese 1960 ihre eigene St. Stephans-Kirche in Besitz nehmen konnten, waren sie Gäste in der Johanneskirche. Der Aufbau der Jugendarbeit nach dem Krieg litt vor allem an Raumproblemen. Einige Jahre gab es auf Schloss Stettenfels Ausweichmöglichkeiten, solange dies vom Evangelischen Hilfswerk belegt war. Erst als 1964 das neue Pfarrhaus mit einem Gemeindehaus erbaut war, waren genügend Räume vorhanden. Die ausführliche Innenrenovierung der Kirche begann 1959 mit dem Einbau einer elektrischen Heizung. Im Juni 1962 war die Renovierung unter der künstlerischen Leitung von Rudolf Yelin, die allerdings nicht alle Gemeindemitglieder begeistern sollte, vollendet. Er ließ alle Jugendstilelemente radikal entfernen, die er als unevangelisch beanstandete. 1969 schloss sich eine Außenerneuerung an. 1973 wurde die Walker-Orgel durch ein Instrument der Firma Plum / Marbach ersetzt. Die künstlerisch wertvolle, holzgeschnitzte Außenverkleidung wurde weitgehend wiederverwendet. Der 1902 gegründete Krankenpflegeverein, der bisher mit einer Krankenschwester, einer Diakonisse vom Mutterhaus Schwäbisch Hall, die Gemeindeteile versorgt hatte, wurde 1977 in eine größere nachbarschaftliche Organisation eingebunden: die Diakoniestation Schozach-Bottwartal mit Sitz in Ilsfeld entstand. Die ökumenische Zusammenarbeit wurde verstärkt. Erstmals 1971 wurde ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert. Ein weiterer Anstoß war der Weltgebetstag. Ein ökumenischer Arbeitskreis entstand, seither gibt es ökumenische Bibelabende. Die Seniorenarbeit wird von beiden Konfessionen verantwortet. 1987 wurde die Johanneskirche ein weiteres Mal renoviert und dabei die noch vorhandenen Elemente der Ausstattung von 1904 wieder sichtbar gemacht. Zur Hundertjahrfeier 2004 wurde das Äußere der Kirche herausgeputzt.
===== Namensliste der Gruppenbacher Pfarrer =====
1481 Gabriel Hirschmann 1517-1518 Udalrichus Wüschuff 1547-? Benedikt Wider 1555 Jörg Bartenstein 1560-1563 Johann Kötzer 1563-1568 Konrad Bocker 1568-1577 Daniel Riesser 1577-1600 Wolfgang Daisser 1600-1635 Christoph Löhel 1636-1657 Paul Andreae 1658-1670 Johannes Israel Trautmann 1670-1673 David Canzler 1673-1683 Wolfgang Lächele 1683-1693 Philipp Jakob Wölfing 1693-1694 Johann Paul Gruner 1694-1729 Abraham Bräunlin 1729-1739 Andreas Wislicenus 1739-1749 Johann Christian Greineisen 1749-1759 Georg Heinrich Dentzel 1759-1788 Eberhard Ludwig Rabausch 1788-1812 Wilhelm Friedrich Schlotterbeck 1812-1822 Johann Friedrich Heller 1823-1843 Ludwig Friedrich Haas 1844-1862 Johann Albrecht Häfner 1862-1869 Dr. h.c. Hermann Friedrich Mögling 1869-1880 Heinrich Karl Friedrich Rumpp 1880-1886 Rudolph Friedrich Auch 1887-1893 Heinrich August Leypold 1894-1899 Johann Heinrich Bäßler 1900-1905 Karl Julius Fischer 1906-1921 Paul Eugen Hermann Bilfinger 1922-1929 Gustav Bazlen 1930-1934 Erich Waldbaur 1935-1943 Hermann Ernst Schönberger 1943-1946 Adolf Weinel 1946-1958 Jakob Rudolf Frank 1958-1970 Martin Günzler 1970-1980 Hermann Söhner 1981-1996 Dr. Theophil Steudle 1996-2003 Bernd Weißenborn 2004- Wolfgang Altvater
===== Bestandesbeschreibung =====
Auf der Grundlage eines Kirchengemeinderatsbeschlusses wurde die historische Überlieferung der Kirchengemeinde Untergruppenbach bis 1966 zur Verwahrung und Verwaltung am 13.09.2006 an das Landeskirchliche Archiv Stuttgart abgegeben. Da kein Archivinventar vorhanden war, hat die Kirchengemeinde Untergruppenbach Hermann Söhner und Friedrich Eisenmann mit der Erstellung eines Findbuches in Kooperation mit dem Landeskirchlichen Archiv beauftragt. Die Verzeichnung erfolgte im Winter 2006/07 und im Frühjahr 2007. Im Sommer wurde der Bestand durch die Kirchenbaufondsrechnungen ergänzt, so dass die redaktionellen Abschlussarbeiten im Herbst 2007 durch Dr. Bertram Fink abgeschlossen werden konnten. Der Umfang des Bestandes beträgt ca. 10 laufende Meter und 443 Bestellnummern (mit Kirchenbücher 468). Die Verzeichnung orientierte sich an den Richtlinien des Landeskirchlichen Archivs, an der Registraturordnung für die Pfarrämter von 1901 und an der Chronologie. Der Bestand wurde demzufolge in die Hauptgattungen der Quellen (Bände, Akten und Rechnungsunterlagen) gegliedert und durch Sammlungen (Sammlung Frank, Genealogie) ergänzt. Die Kirchenbücher sind aus Gründen der Erhaltung für die Benutzung gesperrt. Dafür stehen allen Archivbesuchern die verfilmten Kirchenbücher bis 1875 mit den Signaturen KB 2050-2052, die auch auf dem Postweg verschickt werden können, und eine von Pfarrer Schönberger angelegte Kirchenbuchkartei zur Verfügung. Die Laufzeit der ältesten Archivalien, der Tauf- und Eheregister, beginnt mit dem Jahr 1600. Bis auf die Kirchenbücher werden keine weiteren Archivalien aus der Zeit der Herrschaft Stettenfels überliefert. Die anderen Bände und Akten setzen erst mit dem Übergang an Württemberg ein. Der Bestand weist eine dichte Überlieferung zur Schulgeschichte und zu Bausachen auf. Die Sammlung Frank, angelegt durch Pfarrer Jakob Rudolf Frank, beinhaltet Archivalien und Drucksachen zu den einzelnen Untergruppenbacher Pfarrern, die durch einen gemeinsamen Index mit den Akten, Bänden und Rechnungen erschlossen sind.
===== Weitere Quellen =====
Zu einzelnen Pfarrern sind auch Personalakten in den Beständen A 27 und A 127 im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart vorhanden. Weitere Quellen zur Untergruppenbacher Orts- und Kirchengeschichte befinden sich im Staatsarchiv Ludwigsburg (z.B. unter F 56 Kameralamt Heilbronn; F 173 Oberamt Heilbronn; B 138a Stettenfels, fuggersche Herrschaft) und im Hauptstaatsarchiv Stuttgart (z.B. unter H 101/5 Weltliche Lagerbücher), sowie in den Ortsakten des Oberkirchenrates A 29 und A 129 im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart. Im Gemeindearchiv Untergruppenbach befindet sich in A 143 ein Bauplan der Kirche von 1833 mit einer eingezeichneten Änderung der Orgelempore von 1868.
Stuttgart, im Advent 2007 Hermann Söhner Friedrich Eisenmann Dr. Bertram Fink
[1] Siehe dazu Untergruppenbach. Heimatbuch der Gemeinde Untergruppenbach, Stuttgart 1992 und den Roman „Der Heiligenpfleger von Gruppenbach von Philipp Spieß, Heilbronn 1902, Neudruck Untergruppenbach 1977; außerdem Erwähnung in „Jud Süß von Lion Feuchtwanger, Berlin und Weimar 1991 (erstmals erschienen 1925). |