============ Biogramm ============
* Saulgau 08.12.1900, + Ansbach 13./14.02.1948 V: Wilhelm R., Oberreallehrer; M: Maria geb. Müller, Kindergärtnerin 1915-1918 Seminar Maulbronn, Blaubeuren; 1919 Uni. Tübingen 1923 Pfarrer Simmersfeld, nach 1934 Religionslehrer und Lehrer für Alte Sprachen (Studienrat) Stuttgart, verh. I 1926 mit Johanna Rose, * 02.04.1902, T. v. Max R., Kaufmann, u. Karola N.N., Lehrerin; verh. II mit N.N.; Bem.: Die beiden Ehen waren kinderlos. Heeresdienst Juli - Dez. 1918. Mitgl. der NSDAP, SA. 1934 DC-Synodaler, Landesleiter der DC in Württemberg, 1935 Leiter der Reichsbewegung DC. Scharfer Gegner von Landesbischof Wurm. Ab 1940/41 Presse-und Propagandareferent im Stab der Obersten SA-Führung in München. Nach 1945 zunächst in Kornwestheim, dann in Regensburg interniert. Entlassung aus der Internierung im Okt. 1947.
Wilhelm Rehm und die Deutschen Christen: Rehm gründete am 4. Januar 1933 in Stuttgart im Haus der NSDAP die Glaubensbewegung Deutsche Christen (DC) in Württemberg, deren Landesleiter er wurde. Ebenso gründete er 1933 einen NS-Pfarrerbund. Bereits im Jahr 1925 wurde unter dem deutsch-nationalen, rassisch-antisemitischen und antikatholischen Einfluss des Berliner Hofpredigers Adolf Stöcker (1835-1909) sowie des "Deutschen Gottesglaubens" der Mathilde Ludendorff (1877-1966), ebenfalls in Stuttgart, zusammen mit den Pfarrern Friedrich Ettwein, Karl Steger und anderen eine Arbeitsgemeinschaft völkisch-sozialer Pfarrer gebildet. Rehms völkische Gesinnung hatte sich bereits in seiner Studentenzeit herausgebildet (Mitglied im Freikorps). Rehm wurde Seelsorger und Prediger der SA, trat in die SA ein und hielt besondere SA-Feiern ab. Statt einer Gemeindepfarrstelle hat Rehm 1934 eine Religionslehrerstelle an einer Stuttgarter Realschule übernommen; 1935 Reichsleitung der DC; später, ab 1941, war er Hauptsturmführer an der Reichsführerschule in München. Er schrieb und referierte über den Nationalsozialismus im Sinne der NS-Ideologie, wurde daher auch als "Reiseprediger für Hitler" angezeigt. Rehm war motiviert vom "Bestreben, zwischen Kirche, Staat und Partei ein ehrlicher Vermittler zu sein und der Kirche den Platz im Volksleben zu sichern, den sie zur Durchführung ihres göttlichen Auftrages brauchte" (aus dem Brief Rehms an Landesbischof Wurm v. 9.1.1947). Da er weder dem Auftrag der evangelischen Kirche noch den Forderungen der nationalsozialistischen Partei gerecht werden konnte, "scheiterte" er und landete wie die gesamte völkische Religiosität "im Niemandsland zwischen Landeskirche und Partei" (Hermann Ehmer, s. Lit. a.a.O. S. 121). Gegen Landesbischof Theophil Wurm sprach sich Rehm aggressiv und entwürdigend aus. Rehm schrieb nach dem Krieg, 1947, aus dem Internierungslager in Kornwestheim einen Rechtfertigungs- und Entschuldigungsbrief an Landesbischof Wurm in der Hoffnung, wieder landeskirchlicher Pfarrer werden zu können. Er beteuerte seine Absicht, die evangelische Kirche als Reichskirche zu bilden. 1931 hatte Rehm formuliert: "Weil der Nationalsozialismus auf christlicher Grundlage besteht, geht es deshalb auch nicht an, sein Bekenntnis zum Christentum nur als Aushängeschild oder Propagandamittel zu werten, auf das er sich nur gelegentlich berufe. Eben deshalb hat aber der Nationalsozialismus auch gar kein Interesse ,,, die Kirche zu erobern ... Deshalb braucht die Kirche dieserhalb vor dem Nationalsozialismus nicht zu bangen." (s. Lit.: Rehm: Kirche und Nationalsozialismus, a.a.O., S. 33). Schwer erkrankt, starb Wilhelm Rehm 1948 im Krankenhaus in Ansbach.
Veröffentlichungen von Wilhelm Rehm: - "Die katholische Staatsauffassung und die Konkordate", Nürtingen : Henzler, 1927 (EHZ Sign. BT/42). - "Kirche und Nationalsozialismus". In: Evangelisches Kirchenblatt für Württemberg, 22. Band, 1931/5, S. 32 f. (Replik auf Gümbel: "Die Politisierung der Kirche" a.a.O. 1931/3, S. 18-20). (EHZ Sign. APQ 500/18,92). - (Hrsg.): "Mit Gott wollen wir Taten tun! : Predigten und Ansprachen 'Deutscher Christen', Heilbronn : Salzer, 1934 (EHZ Sign. A 7/1579).
========== Bestandsgeschichte und -beschreibung ===========
Am 12.02.2026 Übergabe zusammen mit Unterlagen zu D 55, Haug, Otto (Schwager).
========= Quellen und Literatur ================
- Personalakte Wilhelm Rehm, EABW, A 127, Nr. 1826. - Ehmer, Hermann: Völkische Pfarrer in Württemberg, in: Lächele, Rainer u. Thierfelder, Jörg (Hrsg,): Württembergs Protestantismus in der Weimarer Republik, Stuttgart : Calwer, 2003, S. 78-121. - Ehmer, Hermann: Württembergische Kirchengeschichte : Von der Christianisierung bis zur Gegenwart, Stuttgart : Calwer, 2025, S. 633-639 (EHZ-Bibliothek Sign. A 7/13409). - Haug, Otto, u. Rößner, Franka: Mit brennendem Herz für Kreuz und Hakenkreuz. Wilhelm Rehm - ein Deutscher Christ. In: BWKG 115 (2015), S. 71-116. - Schäfer, Gerhard: Die Evangelische Landeskirche in Württemberg und der Nationalsozialismus. Eine Dokumentation zum Kirchenkampf. Stuttgart 1971 ff. [dutzende Nennungen]. |